Der Schritt in die Selbstständigkeit – und was man dabei beachten sollte
Ein Gastbeitrag von Dr. Sabine Oranien
Für viele scheint die Selbstständigkeit ein böser Drache mit vielen Köpfen zu sein. Das ist erklärbar, denn viele wachsen mit dem Bild auf, dass Selbstständigkeit vor allem ein Risiko ist.
Allerdings bin ich der festen Überzeugung: Wer bisher gewohnt war, sich zu engagieren und Leistung zu erbringen, wird auch in der Selbstständigkeit gut verdienen – und erhält obendrauf eine extra Portion Freiheit.
Was braucht es für die Selbstständigkeit?
Es braucht das Fachliche
Du solltest in einem Bereich über Wissen, Know-how und Erfahrungen verfügen, von denen andere profitieren können und wollen. Dabei musst du weder perfekt sein noch eine großartige Erfindung gemacht haben.
Ein Beispiel: Wenn ich jetzt die Absicht hätte, Klavierspielen zu lernen, weil es mir Freude macht, und dafür Unterricht nehmen würde – wo würde ich suchen? Würde ich einen der weltbesten Pianisten ansprechen? Oder würde ich mir eine Klavierlehrerin in meiner Nähe suchen, die geduldig ist und bereit, meine ersten schrägen Versuche auszuhalten?
Also: Du musst kein Genie sein. Doch du solltest einen Bedarf befriedigen, also für andere nützlich sein. Wenn du Klavier spielen kannst – und zwar genau in dem Bereich, den ich lernen möchte, zum Beispiel Unterhaltungsmusik –, dann werde ich mit dir Kontakt aufnehmen.
Und nun noch ein ganz wichtiger Punkt: Positioniere dich.
Positionierung bedeutet, dass du dich innerhalb deines Gebietes entscheidest, was du tust und für wen. Das hilft dir, dein Marketing zielgerichtet zu betreiben. Gleichzeitig hilft es deinen potenziellen Kunden, dich zu finden. Der große Vorteil für dich ist, dass du hauptsächlich das tust, was dir Freude bereitet – und mit genau den passenden Kunden zusammenarbeitest. Du wirst nicht mehr als 08/15-Anbieter wahrgenommen, sondern als Experte auf deinem Gebiet.
Bleiben wir beim Klavierunterricht. Eine Positionierung könnte zum Beispiel so aussehen:
- Jazz-Piano für Anfänger
- Klavierimprovisation im Jazz
- Klavierunterricht ohne Noten ab 4 Jahren
- Hobby-Piano für Quereinsteiger
- Rock-Klavier für Bands
Die richtige Einstellung
Nun bist du nicht mehr angestellt, sondern darfst als Selbstständige oder Unternehmerin denken und handeln.
Dabei sind die folgenden drei Eigenschaften besonders wichtig:
Selbstverantwortung
Selbstverantwortung heißt, dass du den Hut aufhast und dein eigener Chef bist. Du trägst die Verantwortung für alles, was du tust oder nicht tust, was du entscheidest oder nicht entscheidest – und auch dafür, ob du dich fit hältst oder nicht. Du kannst dir Hilfe holen oder bestimmte Dinge delegieren, doch die Verantwortung bleibt bei dir.
Selbstvertrauen
Du vertraust deiner Leistung. Du weißt, was du kannst. Und du vertraust darauf, dass du alle Herausforderungen, denen du begegnen wirst, lösen kannst. Das musst du nicht allein tun. Natürlich kannst du dir Hilfe holen oder Neues lernen. Doch du weißt, dass du es schaffst.
Willensstärke
Damit ein Business keine Eintagsfliege wird, braucht es den unbedingten Willen, dranzubleiben, durchzuhalten, weiterzumachen und erfolgreich zu werden. Ja, auch Erfolg ist eine Entscheidung.
Gern vergleiche ich den Start in die Selbstständigkeit mit der Geburt eines eigenen Kindes. Wenn du das selbst erlebt hast oder Patentante bist, dann hast du dich entschieden, alles dafür zu tun, dass aus dem Baby eines Tages ein glücklicher Mensch wird, der seinen Platz im Leben gefunden hat.
Du weißt, der Weg dorthin war oft wunderschön, aber zeitweise auch anstrengend. Es gab immer wieder Herausforderungen, kleine und größere, die gelöst werden wollten. Und manchmal hattest du die Nase voll. Doch du wärst nie auf die Idee gekommen, aufzugeben oder dein Kind auszusetzen. Du bist drangeblieben und hast immer eine Lösung gefunden. Du hast Verantwortung übernommen.
Sieh deine Selbstständigkeit als dein Baby, das schnell groß werden darf. Behandle sie in der Anfangszeit wie deine wichtigste Aufgabe.
Ich wünsche dir viel Freude, Erfüllung und Erfolg!