Menopause im Büro. Reden wir endlich darüber.

Sie stand mitten in einem Gespräch, sagte irgendetwas Wichtiges, und plötzlich war da diese Welle. Hitze. Von innen. Als würde jemand einen Schalter umlegen.

Kein Fenster hilft. Kein Lächeln kaschiert es. Und während sie weiterredet, denkt sie: Bitte nicht jetzt. Bitte nicht hier.

Willkommen in der Menopause.

Millionen Frauen erleben genau das. Mitten im Berufsleben. Mitten in Meetings. Mitten in Verhandlungen. Und die meisten sagen kein Wort darüber.

Ich kenne das. Nicht aus Erzählungen.

Was passiert mit uns

Irgendwann zwischen fünfundvierzig und fünfundfünfzig beginnt der Körper, sich neu zu erfinden. Ohne Ankündigung. Ohne Handbuch. Was vorher stimmig war, stimmt plötzlich nicht mehr. Der Schlaf bricht weg. Die Konzentration auch. Man steht vor einem Wort, das man tausendmal gesagt hat, und es ist weg. Einfach weg.

Und dann die Hitze. Sie kommt nicht von draußen. Sie kommt von drinnen. Wie eine Tür, die sich öffnet, hinter der ein Ofen brennt. Man kann sie nicht kontrollieren. Man kann sie nur aushalten. Und so tun, als wäre nichts.

Stimmungsschwankungen, die aus dem Nichts kommen. Gelenkschmerzen, die man sich nicht erklären kann. Herzrasen, das keinen Grund hat. Eine Unruhe in dir, für die es keine Worte gibt.

Und das alles mitten im Arbeitsalltag.

Was das mit dem Beruf macht

Eine Frau, die nachts nicht schläft, sitzt am nächsten Morgen im Meeting. Sie ist da. Sie funktioniert. Aber sie kämpft. Mit einer Erschöpfung, die kein Kaffee wegspült. Mit einem Kopf, der manchmal nicht das abruft, was er eigentlich weiß.

Und dann das Alter. Die meisten Frauen erleben die Menopause genau dann, wenn sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere sind. Wenn sie Führungsverantwortung tragen. Wenn von ihnen erwartet wird, immer belastbar zu sein. Immer präsent. Immer hundertprozentig.

Studien zeigen, dass ein Viertel aller betroffenen Frauen ernsthaft darüber nachdenkt, wegen der Beschwerden den Job zu reduzieren oder ganz aufzugeben. Das ist kein persönliches Versagen. Das ist ein strukturelles Problem.

Warum schweigen wir?

Weil Menopause immer noch mit Alter gleichgesetzt wird. Und Alter im Berufsleben gilt als Schwäche. Als Verfallsdatum. Als Argument gegen dich.

Weil Frauen gelernt haben, Beschwerden für sich zu behalten. Weil wer über Hitzewallungen spricht, riskiert, nicht mehr ernst genommen zu werden. Weil der unausgesprochene Satz im Raum steht: Sie ist zu alt. Sie kann das nicht mehr.

Das ist absurd. Und es kostet Unternehmen täglich erfahrene, kompetente, kluge Frauen.

Und die Männer? Kommen die auch in die Wechseljahre?

Ja. Tun sie.

Nur redet kaum jemand darüber.

Der medizinische Begriff lautet Andropause. Ab etwa vierzig beginnt der Testosteronspiegel bei Männern langsam zu sinken. Ein bis zwei Prozent pro Jahr. Das klingt wenig. Über zehn, fünfzehn Jahre summiert es sich.

Und die Symptome? Erschreckend ähnlich wie bei Frauen. Erschöpfung. Schlafprobleme. Konzentrationsschwäche. Stimmungsschwankungen. Gereiztheit. Antriebslosigkeit. Dazu kommen körperliche Veränderungen: Muskelabbau, Gewichtszunahme, nachlassende Libido.

Der Unterschied: Bei Frauen passiert es relativ abrupt. Bei Männern ist es schleichend. Kaum spürbar. Und deshalb wird es oft gar nicht als hormonelle Veränderung erkannt, sondern als Midlife-Crisis abgetan, als Burnout, als schlechte Phase.

Und noch etwas. Wenn ein Mann in diesem Alter gereizt ist, antriebslos, dünnhäutig, sagt niemand: Er wird alt. Niemand. Aber wenn eine Frau in denselben Jahren dieselben Symptome zeigt, ist der Satz sofort im Raum.

Ich finde das bemerkenswert. Wir Frauen kämpfen darum, endlich offen über unsere hormonellen Veränderungen sprechen zu dürfen. Und Männer schweigen über ihre, weil die Gesellschaft ihnen beibringt, dass Schweigen Stärke ist.

Beide verlieren dabei.

Was sich ändern muss

In Großbritannien gibt es seit einigen Jahren eine ernsthafte Debatte. Unternehmen führen Menopause-Policies ein, es gibt Anlaufstellen, flexible Arbeitszeiten, Schulungen für Führungskräfte.

In Deutschland? Noch weitgehend Stille.

Dabei wäre es so einfach. Reden. Einfach reden. Mit der Führungskraft. Mit der HR-Abteilung. Mit den Kolleginnen. Nicht als Kranke. Als Frau, die gerade etwas durchläuft, das zum Leben gehört.

Und Unternehmen, die das verstehen, die behalten ihre besten Leute.

Ich kenne Frauen, bei denen es Jahre gedauert hat. Die gekämpft haben. Die funktioniert haben. Die nie darüber gesprochen haben.

Für die schreibe ich das hier.

Ramona Blanco García Wolff ist Unternehmerin, Autorin und Gründerin von Leuchtturmfrauen.

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